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Wenn eine Kaserne zum Wohnquartier wird: LCKW-Sanierung im Pioneer Park Hanau

Aus Militärgelände wird Lebensraum – doch bevor 5.000 Menschen einziehen können, muss der Untergrund stimmen. Auf der ehemaligen Pioneer-Kaserne in Hanau hat der jahrzehntelange Umgang mit Lösungsmitteln in Werkstätten und in der chemischen Reinigung den Boden und das Grundwasser mit Leichtflüchtigen Chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) belastet. Um die Transformation in ein modernes Stadtquartier nicht zu verzögern, wurde eine gezielte In-situ-Sanierung mittels ISCR eingeleitet. Ein Ansatz, der nicht nur wirkt – sondern auch überzeugt.

Auftraggeber
LEG Hessen-Hanau GmbH
Fläche
Ca. 11.000 m²
Leistungszeitraum
Pilotmaßnahme 2020, Vollsanierung 2023
Auftragsvolumen
1.380.000 €
Wirkstoffe
>200.000 kg EHC, Augmentationskultur
Schadstoffe
Leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW)
Fragen zum Projekt
Ihre Ansprechperson
Dipl.-Ing. Mark Zittwitz

Zentrale Leistungen

  • Gezielte Eingabe von 200.000 kg EHC als Suspension mittels TSE®
  • Nachfolgende Beschleunigung des Bioabbaus mittels Zudosierung von anaeroben SENSABAC Mikroorganismenkulturen Dehalococcoides

Kundennutzen

  • Vollständiger Abbau von LCKWs zu Ethen im Pilotversuchsbereich innerhalb zwei Jahren
  • Aktive Sanierungsmaßnahme innerhalb von ca. 5 Monaten, deutlich schneller als eine Aushubmaßnahme
  • Erhebliche Kosteneinsparungen im Vergleich zu einem Komplettaushub und einem langjährigen Pump-and-Treat
  • 70% bis 90% nachhaltiger als die o.g. konventionelle Sanierungsmaßnahmen basierend auf geringere CO2-Emissionen und Energiebedarf

Bilderquelle: Evonik Industries

Eine Kaserne mit Altlasten – und großen Plänen

Die ehemalige Pioneer-Kaserne in Hanau sollte zu etwas Neuem werden: dem Pioneer Park, einem modernen Wohnquartier für rund 5.000 Menschen. Grüne Wege, neue Gebäude, urbanes Leben – ein ambitioniertes Stadtentwicklungsprojekt, das Hanau langfristig prägen wird. Doch der Untergrund erzählte eine andere Geschichte. Jahrzehntelange Trockenreinigungsaktivitäten auf dem Kasernengelände hatten Spuren hinterlassen: LCKW-Verbindungen hatten sich tief in Boden und Grundwasser eingetragen und stellten eine ernsthafte Herausforderung für die geplante Umnutzung dar. Ohne eine wirksame Sanierung – kein Pioneer Park.

Die Herausforderung: Sanieren ohne den Zeitplan zu gefährden

Auf einem aktiven Entwicklungsgelände ist Zeit ein knappes Gut. Klassische Sanierungsmethoden wie der Bodenaushub oder das Abpumpen von Grundwasser hätten bedeutet:

  • Großflächige Eingriffe in die laufende Baustellenlogistik
  • Hohe Kosten für Aushub, Transport und Entsorgung
  • Erhebliche Verzögerungen im Bauzeitplan
  • Hoher Energieeinsatz und größere CO₂-Belastung

Ein anderer Weg musste gefunden werden – einer, der wirkt, ohne alles aufzuhalten.

Die Lösung: Sanierung von innen heraus

Die Antwort lag im Untergrund selbst. Mit der Methode der In-situ chemischen Reduktion (ISCR) wurde der Schadstoff direkt dort bekämpft, wo er sitzt – ohne Aushub, ohne Abpumpen, ohne Stillstand an der Oberfläche.

Mittels Feststoffinjektion wurde das EHC® Reagent von Evonik gezielt in die belasteten Bodenzonen eingebracht. Der Wirkstoff ist dabei mehr als ein einfaches Oxidationsmittel – er kombiniert zwei Wirkmechanismen in einem:

  • Nullwertiges Eisen (ZVI) sorgt für die chemische Reduktion der LCKW-Verbindungen
  • Organischer Kohlenstoff aktiviert und fördert den mikrobiologischen Abbau im Untergrund

Gemeinsam entfalten sie eine tiefenwirksame, langanhaltende Reinigungsleistung – unsichtbar, aber hochwirksam.

Starke Partner, gemeinsames Ziel

Ein Projekt dieser Komplexität gelingt nur im Zusammenspiel erfahrener Fachleute. Die Umsetzung erfolgte durch ein eingespieltes Team aus spezialisierten Partnern:

  • Evonik – Entwicklung und Lieferung des EHC® Reagents
  • AECOM – Umweltberatung und Sanierungsplanung
  • Sensatec – Technische Durchführung der Injektionsmaßnahmen
  • LEG Hessen-Hanau / BIG BAU – Eigentümer und Projektträger
  • Stadt Hanau – Behördliche Koordination und Begleitung

Ergebnisse: Messbar, nachhaltig, dauerhaft

Die Zahlen belegen den Erfolg eindeutig. Ein Pilotversuch im Jahr 2020 zeigte bereits eine außergewöhnlich hohe Abbauleistung. Der weitere Verlauf bestätigte, was die Methode versprach:

  • 18 Monate bis zur nahezu vollständigen Reduktion der LCKW-Belastungen
  • Messungen 2024 bestätigen überwiegend bereits Werte deutlich unterhalb der Sanierungszielwerte
  • Nachhaltige Wirksamkeit ohne weitere Eingriffe erforderlich
Ausgezeichnete Nachhaltigkeit: Brownfield Award® 2024

Ausgezeichnete Nachhaltigkeit: Brownfield Award® 2024

Leistung, die anerkannt wird. Für seinen besonderen Beitrag zu nachhaltiger Stadtentwicklung wurde das Projekt mit der Bronzemedaille des Brownfield Award® 2024 ausgezeichnet. Die Jury würdigte:

  • Die ökologische Wirksamkeit der eingesetzten Methode
  • Den verantwortungsvollen Umgang mit einer ehemaligen Militärfläche
  • Den Einsatz von Sanierungsreagenzien auf Basis recycelter Rohstoffe

 

Pioneer Park Hanau: Ein Quartier mit sauberem Fundament

Die Sanierung ist abgeschlossen – und der Weg frei. Der Pioneer Park Hanau kann als das entstehen, was er sein soll: ein modernes, grünes und lebenswertes Zuhause für tausende Menschen. Sauberer Boden, sauberes Grundwasser, eine saubere Zukunft.

Dieses Projekt zeigt, dass urbane Transformation und ökologische Verantwortung kein Widerspruch sind. Ehemalige Militärflächen können neu gedacht werden – nachhaltig, effizient und zukunftsfähig. Der Pioneer Park ist dafür ein überzeugendes Beispiel.

Veröffentlichungen des Projekts

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