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Unsichtbare Gefahr im Untergrund: PFAS-Sanierung eines Flughafens in Norddeutschland – ohne Bodenaustausch

Löschmittel retten Leben – doch sie hinterlassen Spuren. An einem Flughafen in Norddeutschland haben mehrere Löscheinsätze mit PFAS-haltigen Mitteln den Boden und das Grundwasser kontaminiert. Eine Fläche von rund 200 m², durchdrungen von persistenten Schadstoffen bis in drei Meter Tiefe. Für die geplante Neuentwicklung des Geländes war eine nachhaltige Sanierung unumgänglich – und zwar ohne kostenintensiven Bodenaustausch.

Auftraggeber
Flughafen in Norddeutschland
Fläche
Ca. 200 m², bis 3 m Tiefe
Leistungszeitraum
09/2024 – 06/2025
Gefördertes, gereinigtes Volumen
ca. 15.000 m³
Auftragsvolumen
200.000 €
Schadstoffe
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), Perfluorierte Carbon- und Sulfonsäuren, hauptsächlich PFNA/PFOS
Fragen zum Projekt
Ihre Ansprechperson
Anja Wilken, M.Eng.

Zentrale Leistungen

  • Entwicklung des Sanierungsansatzes
  • Durchführung einer Labor-Machbarkeitsstudie
  • Planung und Durchführung der Sanierung zur biopolymer-basierten PFAS Elution mit nachgeschalteter Wasseraufbereitung
  • Bau, Betrieb und Wartung der Sanierungsanlage
  • Datenauswertung und -analyse

Kundennutzen

  • >80%ige Abreinigung perfluorierter Carbon- und Sulfonsäuren aus der ungesättigten Bodenzone
  • Mobile PFAS-Verbindungen fast vollständig entfernt
  • Erhebliche Kostenersparnis aufgrund des Wegfalls von Auskofferung und Bodenabtransport

Ein Flughafen, eine Altlast – und ein enger Zeitplan

Feuerlöschübungen können im Ernstfall Leben retten. Doch die dabei eingesetzten PFAS-haltigen Löschmittel haben ihren Preis: Perfluorierte Carbon- und Sulfonsäuren – darunter vor allem PFNA und PFOS – zählen zu den hartnäckigsten Umweltschadstoffen überhaupt. Sie zersetzen sich in der Umwelt nicht, reichern sich im Boden an und gelangen ins Grundwasser.

Als das Gelände einer Neuentwicklung unterzogen werden sollte, war klar: Ohne Sanierung kein Neuanfang. Die Aufgabe war anspruchsvoll – eine nachhaltige Entfernung der PFAS aus Oberboden und oberflächennahem Grundwasser, möglichst ohne großflächigen Bodenaushub.

Die Herausforderung: PFAS sind anders

PFAS-Kontaminationen stellen Sanierer vor besondere Herausforderungen. Klassische Methoden stoßen hier schnell an ihre Grenzen:

  • Bodenaushub bedeutet hohe Kosten für Abtransport und Entsorgung kontaminierten Materials
  • Konventionelle Pump-and-Treat-Ansätze erreichen PFAS in der ungesättigten Bodenzone nicht
  • Eine Immobilisierung mit Aktivkohle bindet Schadstoffe, entfernt sie aber nicht dauerhaft

Gefragt war ein Verfahren, das PFAS aktiv aus dem Boden löst – und das effizient, flächendeckend und ohne massive Eingriffe in die Geländestruktur.

Die Lösung: Biopolymerspülung ohne Eingriffe an der Oberfläche

Die Antwort kam aus unserem eigenen Entwicklungslabor. Gemeinsam mit unserem Partner Geologik entwickelten wir in dem Forschungsprojekt BioKon das Verfahren der Biopolymerspülung. Dies erwies sich als das am besten geeignete Verfahren für diesen Standort – und wurde großflächig eingesetzt.

Das Prinzip ist so wirkungsvoll wie elegant:

  • Biopolymerlösung wird auf den kontaminierten Bodenbereich aufgebracht
  • Die Lösung eluiert die PFAS-Verbindungen gezielt aus der ungesättigten Bodenzone
  • Das mit PFAS angereicherte Förderwasser wird aufgefangen und einer nachgeschalteten Wasseraufbereitungsanlage zugeführt
  • Die Anlage wurde von Sensatec selbst gebaut, betrieben und gewartet

Bevor die Maßnahme in die Fläche ging, sicherte eine Labor-Machbarkeitsstudie die Wirksamkeit des Ansatzes ab. Von der Entwicklung des Sanierungskonzepts bis zur abschließenden Datenauswertung lag die gesamte Leistung in einer Hand.

Umsetzung: Zehn Monate, eine Fläche, ein klares Ergebnis

Von September 2024 bis Januar 2025 wurde die Sanierung durchgeführt. In diesem Zeitraum wurden rund 15.000 m³ Wasser gefördert und aufbereitet – über eine kontaminierte Fläche von ca. 200 m² bis in eine Tiefe von 3 Metern.

Die Ergebnisse nach Abschluss der Maßnahme:

  • > 80 % Abreinigung perfluorierter Carbon- und Sulfonsäuren aus der ungesättigten Bodenzone
  • Mobile PFAS-Verbindungen nahezu vollständig entfernt
  • Kein Bodenaushub, kein Abtransport – erhebliche Kostenersparnis gegenüber klassischen Methoden

Fazit: Noch besser als erwartet

Das Verfahren übertraf die ursprünglichen Erwartungen. Die Reinigungsleistung war so hoch, dass auf eine zunächst geplante, nachfolgende In-situ-Aktivkohleimmobilisierung für die weitere Planung verzichtet werden konnte – ein weiterer Zeit- und Kostenvorteil für den Auftraggeber.

Dieses Projekt zeigt, dass selbst hochpersistente Schadstoffe wie PFAS wirksam und wirtschaftlich saniert werden können – wenn das Verfahren stimmt. Unsere entwickelte Biopolymerspülung setzt damit einen neuen Maßstab in der PFAS-Sanierung und belegt: Innovative In-situ-Methoden sind klassischen Aushublösungen nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich überlegen.